Blog-Start und Gedanken zu Handy versus Kamera/DSLR

Warum mache ich einen Blog?

Ich war lange am Überlegen, ob ich einen Blog machen soll oder nicht. Letztlich hat mich die Möglichkeit, meine Gedanken zu einem bestimmten Thema oder zum Beispiel zur Entstehung eines bestimmten Fotos gereizt - ohne dabei aufdringlich werden zu müssen, denn es braucht ja nur zu lesen, wen's interessiert.

Handy versus Kamera

Den Beginn mache ich mit dem Thema "Handy versus Kamera". Manch einer möchte nun vielleicht behaupten, das Handy wäre ja auch eine Kamera. Hier unterscheide ich insofern, als dass das Handy ursprünglich lediglich eine Funktion hatte - nämlich damit telefonieren zu können. Ich weiß nicht, ob die allerersten Handies, die auf die Baugröße eines Funkgerätes beim österreichischen Bundesheeres kamen bereits die Möglickeit boten, zu SMSen, spielt letztlich auch keine Rolle. Jedenfalls wurde die Funktionsvielfalt der Handies nach und nach erweitert und vor allem durch die Ära der Smartphones. Heutzutage ist es ja bereits möglich, dass man über das Smartphone mit einer App zuhause die Heizung steuert. Das ist mit einer Kamera aktuell glücklicherweise (ich empfinde das als Glück) noch nicht möglich.

 

Und damit sind wir bereits bei der Kamera. Eine Kamera war ursprünglich zum Fotografieren gedacht und auch wenn die meisten Modelle, die heute erhältlich sind, bereits über eine Video-Funktion verfügen, so bleibt der Sinn und Zweck dennoch ursprünglich - nämlich Bilder zu erstellen, nur dass man eben zwischen "Standbilder" (sprich Fotos) und "bewegten Bildern" wählen kann.

 

Aus diesen Gründen ist für mich ein Handy nach wie vor ein Telefon, das eine integrierte Kamera hat und eine Kamera, ein Gerät zur Aufnahme von Bildern, mit der ich aber zum Beispiel nicht telefonieren kann. Und ich hoffe, dass man das auch nie wird machen können. :D :D :D

 

 

Brauche ich überhaupt noch eine Kamera?

Ich werde immer wieder ungefragt von Leuten mit Aussagen konfrontiert, wie "ich brauch keine Kamera, ich kann das alles mit dem Handy machen!" oder umgekehrt "Handybilder sind "das Sch-Wort", richtig gute Fotos kann man nur mit einer Kamera, am besten einer Vollformatsensor-Kamera machen!"

 

Meine persönliche Definition von guten und schlechten Fotos sieht da ein bisschen anders aus: Schlechte Fotos sind vor allem die, die man nicht gemacht hat.

Meine Ausrüstung wiegt je nachdem, was ich mitnehme zwischen 10 und 30 Kilogramm. Verständlich, dass ich die volle Ausrüstung nicht immer bei mir trage. Wenn ich mal "freizeitmäßig" unterwegs bin und dann ein schönes Motiv sehe oder unsere Kleine fotografiere, bin ich nicht nur froh, dass ich das Handy mit integrierter Kamera dabei habe, sondern darüber hinaus auch mit den Bilderegebnissen in den meisten Fällen zufrieden - frei nach dem Motto - ohne Handy-Kamera hätte ich gar kein Erinnerungsfoto.

 

Natürlich kommt es immer auf die jeweilige Anforderung an. Geht's ausschließlich darum, ein Erinnerungsfoto zu haben, reicht vielen das Handy. Bei schlechten Lichtverhältnissen (Dunkel, Verwendung von Blitz) sackt die Bildqualität natürlich ganz rasch ab, starkes Bildrauschen und Farbverschiebungen sind die Folge. Das ist eine Disziplin, in der Kameras den Handies noch deutlich überlegen sind (die meisten Modelle, ich spreche/schreibe jetzt nicht von kleinen Kompaktkameras, bei denen man bei solchen Aufnahmesituationen oftmals auch große Abstriche bei der Bildqualität machen muss).

 

Bei guten Aufnahmebedingungen bin ich von der Bildqualität, die man mit den Handy-Kameras von heute erzielen kann, sehr zufrieden. Natürlich darf ich mir auflösungs- und schärfetechnisch jetzt kein Weltwunder erwarten, aber es ist möglich brauchbare Bilder zu schaffen, die man sogar bis 13x18 cm drucken lassen kann. Hier werden sich natürlich die Geister scheiden, weil manche auch DIN A4-Bilder von ihren Handy-Fotos drucken lassen und mit dem Ergebnis auch zufrieden sind.

Ich betrachte das Ganze jedoch von meinem, persönlichen Standpunkt als Berufsfotograf und lege unter Umständen auf andere Dinge wert, als jemand anders.

 

Kurzum - die Frage "Brauch ich überhaupt noch eine Kamera?" - beantworte ich mit einem "Auf jeden Fall!"

 

"Kann man auch mit dem Handy sehr gute Fotos machen?" - "Auf jeden Fall!"

 

Handy-Sensor versus Kamera-Sensor

Es kommt letztlich immer darauf an, für welchen Zweck meine Fotos gedacht sind und welche persönlichen Ansprüche ich an meine Fotos habe. Technisch betrachtet gerät der Mini-Sensor eines Handies an seine Grenzen, wenn es sich um Motive bei schlechten Lichtverhältnissen handelt. Kommt der "Handy-Blitz" zum Einsatz, fällt die Qualität der Aufnahme oftmals auch recht bescheiden aus.

 

Im Falle eines iPhone 5s beträg die Seitenlänge eines Pixels (Pixel = Bildpunkt, diese sind immer quadratisch. Bei einem 8 Megapixel-Sensor sind zB 8 Millionen Bildpunkte auf der Sensorfläche verbaut) 1,5 µm.

Damit sich jeder darunter was vorstellen kann: 1 mm hat 1000 µm.

"Winzig" ist also eine Untertreibung. Zum Vergleich (da ich mit Nikon fotografiere, nenne ich hier mal zwei Nikon-Modelle, weil mir da die technischen Daten geläufiger sind, als bei den Modellen anderer Kamera-Hersteller. Es funktioniert aber überall nach dem selben Prinzip und ist daraus bitte keine Präferenz abzuleiten!):

Eine Nikon D610 (Vollformatsensor mit 24,3 Megapixel) hat eine Pixel-Seitenlänge von 5,9 µm, eine Nikon D800 (Vollformatsensor mit 36,3 Megapixel) hat eine Pixel-Seitenlänge von 4,8 µm.

 

Mehr Auflösung ist daher auch nicht automatisch mit besserer Bildqualität gleich zu setzen, denn die Größe des Pixels hat einen starken Einfluss auf die Bildqualität (insbesondere das Rauschverhalten). Beim Vergleich Handy versus Kamera wird rasch ersichtlich, worin der Grund für das stärkere Bildrauschen und die geringere Bildqualität liegt.

Der Sensor des iPhone 5s hat eine Pixel-Oberfläche von rund 3 µm², der der D600 von 34,8 µm² und der der D800 immer noch von 23,0 µm² (jeweils gerundet).

 

Bei den Pixeln der beiden digitalen Spiegelreflexkameras kann also das Licht eine ganze Mehr an Sensorbildpunkt-Oberfläche erreichen, als zB bei einem iPhone 5s.

Gestaltungskriterium

Ein wesentliches Gestaltungskriterium - nämlich das Spiel mit der Unschärfe ist von mehreren Faktoren abhängig und zwar von

- der Größe des Sensors / Aufnahmeformats

- der Brennweite

- und der Blende.

 

Bei gleicher Blende und formatbezogener Brennweite wird die "Hintergrundunschärfe", also die Schärfentiefe bei einem kleinen Sensor wesentlich geringer ausfallen, als bei einem großen Sensor. Zwar sieht man bei den sog. APS-C-Sensoren und Vollformat-Sensoren diesen Unterschied mitunter nicht dermaßen drastisch, wie viele meinen mögen, aber zwischen Handy-Sensor und Kamera-Sensor liegen hier Welten.


Das hier angeführte Bildbeispiel zeigt links die Aufnahme mit einem iPhone 5s (das unter normalen Lichtverhältnissen exzellente Bildergebnisse liefert) und rechterhand einer digitalen Spiegelreflexkamera. Ich hab gelesen, dass die Brennweite des iPhones auf Kleinbild umgerechnet ca. 35 mm entspricht. Das dürfte in etwa hinkommen. Der Aufnahmestandpunkt ist - wie dem genauen Beobachter auffallen dürfte - nicht 100%ig ident.


Jedoch sind beide Aufnahmen mit derselben Blendenöffnung (2,2) entstanden und hier wird deutlich, dass die Schärfentiefe beim größeren Sensor bei gleicher Blendenöffnung wesentlich geringer ist, als bei der Handyaufnahme. Zugleich wird auch deutlich, dass bei dieser Aufnahmesituation der Handysensor in punkto Kontrastumfang des Motivs überfordert ist, wenn man nicht weiß, wie man diese Situation besser in den Griff bekommen kann. Ohne entsprechende Nachbearbeitung liefert hier die DSLR von Haus ein wesentlich besseres Ergebnis.

Persönliches Fazit

Ein wenig Know-How vorausgesetzt, ist es mit den heute erhältlichen Smartphones ohne weiteres möglich in den meisten Aufnahmensituationen passable bis sehr gute Fotos zu machen. Wer auf maximal mögliche Qualität Wert legt, kommt an einer Kamera nach wie vor nicht vorbei. Im professionellen Bereich wird das Handy die Kamera wahrscheinlich nie ganz ersetzen können. Im Freizeitbereich bevorzuge ich es, ein Handy mit integrierter Kamera bei der Hand zu haben, als womöglich kameralos dazustehen. *grinst*

 

Wobei für Handy-Fotografen dasselbe gilt, wie für Fotografen, die mit "normalen" Kameras arbeiten - die Kamera ist und bleibt das Werkzeug. Der Grund für gute Fotos oder Fotos, die nicht gefallen, ist zu 99 % hinter der Kamera/dem Handy zu finden. Meiner Meinung nach ist das Wichtigste, dass Fotografieren Spaß machen soll und die Technik Mittel zum Zweck bleibt, auch wenn Industrie und Werbung einem oft das Gegenteil weis machen wollen.


Das war's für heute und den ersten Blog-Eintrag. Es werden künftig, wann immer es die Zeit erlaubt Beiträge zu verschiedenen Themen folgen.  Wer möchte, kann gerne seinen Kommentar abgeben, bzw. sind Wünsche betreffend künftiger Blog-Einträge ebenso willkommen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 6
  • #1

    Mario (Freitag, 06 November 2015 18:03)

    Lieber Hannes,
    gratuliere Dir zu deinem ersten Blog Eintrag. Da ich den Button nicht gefunden habe schreib ich es einfach aus --> "gefällt mir"!
    ;-)
    glG

  • #2

    Joe (Freitag, 06 November 2015 20:12)

    Lieber Hannes, cooler Blog, lässiges Design und ein locker, flockig formulierter Text - das sind die Zutaten die deinen ersten Blogeintrag ausmachen. Super gemacht - drück dir alle Daumen dass es so gut weitergeht!
    Gratuliere :)
    lg Joe und Anhang :)

  • #3

    Roland Dutzler (Samstag, 07 November 2015 08:31)

    Toller Blog. Leicht lesbar und verständlich geschrieben und kann mich mit dem Inhalt identifizieren.
    Freue mich auf weitere Beiträge

  • #4

    Katrin (Sonntag, 08 November 2015 22:43)

    Herzlichen Glückwunsch zum ersten Blogbeitrag! Liest sich sehr angenehm!

  • #5

    Stefanie (Mittwoch, 11 November 2015 21:38)

    Lieber Hannes,
    es kommen hoffentlich noch vielevielevielevieleviele Beiträge und auch noch vieleviellevieleviele Fotos...
    Es bleibt spannend und wir lauschen witer deiner Worte...
    Gratuliere dir und danke dir auch, dass du deine Gedanken mit uns teilst ;-)

  • #6

    Sonja Mahrer (Dienstag, 13 Juni 2017 22:18)

    Wann gibts denn wieder ein neuer Beitrag? :-)