Lockdown "hart" 2 - day 06 - ein nächtliches Gemetzel, Moodle und Portraitfotografie

Es ist Nacht und es ist dunkel. Die 16 Insassen kauern dicht aneinander gedrängt, Schulter an Schulter, Rücken an Bauch in der Zelle. Sie haben seit Ewigkeiten weder zu Essen noch zu Trinken bekommen. Der Boden der Zelle erbebt. Erschrockenes Raunen geht durch die Reihen. "Was war das" flüstert Thorsten. "Ich weiß es nicht" antwortet Hanegret. "Ist da jemand?" fragt Olaf ängstlich. Plötzlich wird die Zimmerdecke wie durch eine Sprengung weggerissen. Eine riesige Hand greift nach Jürgen. Ein kurzer Schrei, dann ist Jürgen verschwunden. "Es hat Jürgen geholt! Es hat Jürgen geholt!" Für kurze Zeit kehrt wieder Stille ein. Bernhard tastet im Dunkeln um sich. Lieselotte, neben ihm sitzend, flüstert ihm tröstend "Es wird alles gut, mein Süßer!" zu. Nichts wird gut. Die überdimensionale Hand kehrt diese Nacht noch 15mal zurück, ehe sich Stille über die nun leere Zelle legt.

"Hast du heute Nacht alle Ferrero Rocher gegessen, Papa?!?" lautet des Pubertiers kritische Frage heute Morgen. "Nein. Ich hab sie ausgepackt, weggeworfen und aus den Papierln für dich ein Kunstwerk gebastelt." "Du hast sie gegessen!" Schuldig. Schuldig im Sinne der Anklage. So schuldig wie man nur schuldig sein kann. (Waren allerdings meine Rocher. Sie hat ein eigenes Packerl bekommen. Kann meiner Tochter ja nicht ihre Rocher wegfressen. Böse Zungen behaupten, das wäre schon vorgekommen. Hab's verdrängt.)

Verbuche das nächtliche Ernährungsverhalten unter "CD". "CD" stand lange Zeit für compact disc.

Jetzt steht es für "Corona-Depression". Oder aber auch "completely dumb" - komplett deppat.

"Ein Mann ohne Bauch is a Krippl." Die vielsagenden Worte meines ehemaligen Kochlehrers. Wobei ... ich hab keinen Bauch. Ich hab einen 7,56-Zentimeter starken Vollwärmeschutz für mein Sixpack. Ist wichtig in der kalten Jahreszeit.

Wir - das Pubertier und ich - loggen uns bei Moodle ein. Hoooommmmmmmmmmskuuuuuuuuuuuuhhlllinnnngggg.

Arbeitsblätter in Biologie sind auszudrucken.

"Kann ich eingeben?"

"Ja klar" (Schließlich soll sie ja auch den Umgang mit PC, Tastatur und Maus erlernen)

"Boah! Dein Pfeil geht schnell!"

"Das ist der Mauszeiger. Das ist eine Abtastrate von 12.000 dpi bei maximaler Empfindlichkeit! Da braucht man Gefühl!"

Sie plagt sich mit dem Mauszeiger das anzuklickende kleine Kasterl zu erwischen.

"Aber das haben wir ja schon alles gemacht!"

"DAS habe ich Dir ja schon vorhin gesagt, dass ihr das schon alles in eurer Mappe habt!"

"Na ja, aber ein bisserl sieht's anders aus. Und das ist neu! Das haben wir noch nicht gemacht!".

Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere überfüllten Lehrpläne für drei Wochen im ersten Schulsemester vorsehen, dass größtenteils nur wiederholt wird. Ob in siebeneinhalb Jahren bei unserer glorreichen Zentralmatura darauf Rücksicht genommen wird, dass dann die "Corona-Jahrgänge" maturieren, wird sich zeigen. Kann ich mir nicht vorstellen.

 

Authentizität

Authentizität. Echtheit. Ich steh auf Authentizität. Ich steh dazu. Unverfälschtheit. Das Foto rechts ist ein authentisches Selfie. Nachdem es offensichtlich gerade bei Fotografen extrem verbreitet ist, sich selbst mit ultracoolem Look und einer Kamera im Gesicht oder einem Objektiv vor der Nase abzulichten, um der Umwelt zu vermitteln "Ich kann eine Kamera, ein Objektiv halten, ich bin Fotograf", hatte ich mir mal überlegt, das Thema "Fotografen-Selbstportrait-mit-Kamera" für mich passend umzusetzen. Kurzum: ich kann's nicht.

© Christine Pacheiner - MY WIFE! :)
© Christine Pacheiner - MY WIFE! :)

Soll bitte ein jeder so handhaben, wie er will. Ich mag's einfach nicht. Wenn, dann gibt's authentische Portraits, so wie hier mit einer 850er in Rom im Jänner des heurigen Jahres, die ich eng umschlang, ehe womöglich Wasser in sei eindrang. Lustigere Zeiten, wirtschaftlich wesentlich bessere Zeiten, vor der Lockdown- und beschränkend, einschränkenden Ampelbastel-Orgie. Am Dach der Engelsburg, im Regen, mein Liebling schützend.

Portraitfotografie

Womit wir beim heutigen Blog-Thema wären. Portraitfotografie.

Insbesondere in der Portraitfotografie geht es für mich um Authentizität. Wenn man mich fragt, wie es mir geht, bekommt das Gegenüber eine ehrliche Antwort. Ich bin weder der "Alles so super. Es ist mir noch nie besser gegangen!"- noch der "Beschissen. Absolut beschissen!"-Typ. Ich decke die gesamte Bandbreite der persönlichen Befindlichkeiten ab und gestehe mir das auch zu. Wir sind Menschen. Wir haben Gefühle. Wir erleben Höhen und Tiefen. Das Leben ist weder eine Einbahnstraße noch permanent Eitel, Wonne, Sonnenschein, aber auch nicht Dauerregen. Wobei - ich mag Regen. Und DAS - finde ich - darf/soll man bei Portraitfotografie auch sehen, sehen können.

Die Fotos hier entstanden in einem Shooting mit Amélie, einer Redakteurin von 5 Minuten Villach. War wieder einmal ein ausgesprochen tolles Shooting für mich. Ich lasse mich auf mein Gegenüber gerne ein und wenn umgekehrt das Gleiche geschieht, entstehen authentische Fotos. Die Schilderungen von Amélie. wie sie dieses Shooting erlebt hat,  gibt's auf 5 Minuten Villach nachzulesen. Für mich auch eine neue Erfahrung. Ich mag's grundsätzlich puristisch. Es kann aber jede(r) zum Shooting Accessoires mitbringen, die er "einbauen" möchte. Amélie hat diese Lichterkette mitgebracht und zu ihr hat's gepasst. Sind dann sehr "stimmige" Bilder dabei raus gekommen.

Kann jeder fotogen sein?

Diese Frage hat mir Amélie im Interview gestellt und ich habe ihr "Nein" geantwortet. "Die Frage muss lauten: Ist jeder fotogen?" und diese Frage kann ich eindeutig mit "Ja" beantworten. 

Meiner Meinung nach gibt es kein fotogen und nicht fotogen sein. Es gibt Leute, die gerne fotografiert werden und es gibt Leute, die überhaupt nicht gerne fotografiert werden.

Ich sehe es als meine Aufgabe als Fotograf dafür zu sorgen eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen.

Der Mensch vor der Kamera soll sich wohlfühlen. Vollkommen egal, ob die Aufnahme(n) bei mir im Fotostudio in Villach entstehen oder outdoor ...

Ich mag Leute und ich kann gut mit Leuten. 

Wir unterhalten uns, das Fotografieren wird oft zur Nebensache und so entstehen in der gestellten Situation natürliche, authentische Aufnahmen.

Inszenierte Fotografie

Logischerweise können auch Wunschfotos, bestimmte Themen fotografisch umgesetzt werden. Aber auch hier lautet die Prämisse Authentizität. Das Schaffen von authentischen Momenten in der Inszenierung.

Was fasziniert mich an der Portraitfotografie?

Ich arbeite gerne mit Leuten zusammen. Und so läuft auch das Fotoshooting ab. Es ist ein Projekt, eine Zusammenarbeit. Die Qualität des Ergebnisses wird direkt dadurch beeinflusst, wie gut diese Zusammenarbeit funktioniert. Ich bin erst dann zufrieden, wenn mein Kunde zufrieden ist und ich Bilder im Kasten habe, bei denen ich den Menschen so empfinde, wie ich ihn wahrgenommen habe. 

Portraitfotografie fasziniert mich seit jeher. Die Kunst die Essenz der Persönlichkeit, eine Facette dieser Persönlichkeit in einem Bild darzustellen. Für die theoretische Ewigkeit zu konservieren.

Die Bedeutung eines guten Portrait-Fotos, eines guten Fotos generell,  hat für viele in der Masse von Millionen und Abermillionen von Handyaufnahmen verloren. Für viele, nicht für alle. Das für mich befriedigendste Ergebnis ist, wenn ich die Kundenerwartungen erfülle und sogar noch übertreffe. "Das bin ich?" oder "Hej, da gefalle ich mir sogar mal selbst drauf!" sind Aussagen, die ich erfreulicherweise oft zu hören bekomme.

Kunterbunt zusammengewürfelte Beispiele

Zu guter Letzt ein paar Beispiele aus den vergangenen Jahren ... kunterbunt zusammen gewürfelt, wie's mir gerade gefallen hat. Und wie man unschwer erkennen kann - meine Passion ist die Schwarz-Weiß-Fotografie ... natürlich bekommen die Leute ihre Fotos in Farbe und auf Wunsch auch in Schwarz-Weiß, aber meine Präferenz geht definitiv in die Richtung ohne Farben ohne farblos zu sein. 

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