Lockdown "hart" 2 - day 08 - Ernährung, die Zeugen Jehovas, Autofahren und Foodfotografie

Tag Acht. Die Sonne lacht. Früher hieß es Blende Acht, wenn die Sonne lacht. Heute Morgen war nicht soooo toll. Aufgeblähter Bauch. Unwohlbefinden. Hab's meiner Frau erzählt, die mit Sorge und Verständnis reagiert hat: "Wundert dich das bei dem, was du gestern Abend zusammgef..... hast?" Es folgt eine detaillierte Aufzählung meines nächtlichen Speiseplans, die Gedanken an einen totalitären Überwachungsstaat aufkommen lässt. "Drei Toasts mit Mayonnaise, eine Schüssel Salat mit einem halben Glas Mayonnaise darunter gemischt! Und was du sonst noch alles in der Nacht zusammengefuttert hast! Kein Wunder, wenn dir dann schlecht ist!" Es könnte unter Umständen darüber diskutiert werden, ob es sinnvoll wäre, der Frage bezüglich einer allfälligen, rudimentären Kausalität zwischen der Abfolge und der Quantität der dem Organismus zugeführten Nahrungsmittel und der Zusammensetzung selbiger und einem unterdurchschnittlichen, suboptimalen Wohlbefindens am Morgen des nächsten Tages, nachzugehen. Außerdem war es nur ein zu einem Drittel volles Mayonnaise-Glas. Ein kleines. Gestern stand das Abendessen unter dem Motto "Resteverwerten". Ehe ich mir die eingangs gestellte Frage beantworte kann, kommt noch ein ergänzendes "Außerdem schau dir mal an, wie du runterstopfst!" Das ist ein historischer Moment im Leben eines Mannes, Hometeachers, Hausmannes und nebenbei Fotografen. "Wundert's dich? Ich muss zwischen Essen-Richten und Küche-Putzen und unseren Diskussionen bezüglich Lernfortschritt des Pubertiers schauen, dass ich essen kann, solange es noch halbwegs warm ist. (Und jetzt kommt's!!!!) ICH kann mich nicht einfach an den fertig gedeckten Tisch setzen und in Ruhe essen!" HA! Genialer Schachzug! Meine Frau verkneift sich einen Grinser (weil sie genau weiß, wie es gemeint ist) und fragt nur lapidar "Machst Du heute wieder Abendessen?". Diese kleinen Situationen im Alltag, die neckischen Zwiegespräche, das Leben mit einem gewissen Sarkasmus und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen ... das macht mein Leben leichter.

Autofahren, die Zeugen Jehova und Kochen

Heute Morgen im Auto, auf dem Weg zum Einkaufen. Faszinierend, wie oft Leute maskiert mit dem Auto fahren, obwohl sie alleine unterwegs sind. Schützt das vor Radarstrafen, die aufgrund Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ins Haus trudeln. Foto anfordern. Hey! Das bin gar nicht ich! Kann man ja nix erkennen. Hat ja ne Maske auf. Ich denke nicht. Wird also andere Gründe haben. Vor mir ein kleines Fahrzeug auf vier Rädern. Mit roter Nummerntafel.

38 km/h. Sagenhaft. Wären's Grad Celsius müsst er schon daheim bleiben. Aber so schleicht er mitten auf der Ossiacher Zeile dahin.

Ein Pensionist auf speed. Im Rausch der Geschwindigkeit sozusagen. Ich fahre brav mit entsprechendem Sicherheitsabstand hinter ihm her, überhole auch nicht. Zwei Finger tun mir jetzt weh. Gewissermaßen "Kreuzschmerzen". Zurück in Studio, Mails checken, Arbeiten erledigen, Blog-Eintrag für heute anfangen, Post sichten. Post. Ein großes DIN-A4-Kuvert adressiert an "Firma PHoto Herr Hannes Pacheiner". PHoto. Da hat jemand sorgfältig Adressen recherchiert. Ich öffne das Kuvert. Echt jetzt? "Sehr geehrter Herr Pacheiner, wahrscheinlich sind Sie überrascht, von Jehovas Zeugen auf diesem Weg eine kurze Info zu erhalten!". Na ja, schon. Ein Exemplar des Wachturms liegt bei. Ich blättere kurz durch. Wenn man nur die ersten Überschriften liest, könnte man eine neue Verschwörungstheorie entwickeln! "Zeit für eine Veränderung!", "Was ist Gottes Reich?",  "Es ist eine Regierung im Himmel mit Jesus Christus als König." So, so. Und ich dachte die ganze Scheiße hat uns die Regierung in Wien mit dem Studienabbrecher als König eingebrockt. Dabei war es Gott! Ich denke, wir können nun bereits klar erkennen, dass die Zeugen Jehovas bei mir keinen Fuß in die Tür bekommen. Ich klopfe mir ob dieses phänomenalen Wortspiels gerade selbst auf die Schulter, da vernehme ich eine Stimme in meinem Kopf. Ist nichts Neues. Der Neue zipft mich allerdings an. Frisch dazu gestoßen und meint er könne am ersten Tag schon mitreden. "Mittagessen für die Maus". Ja, stimmt. Die kommt jetzt auch bald von der Schulbetreuung nach Hause. Heute gibt's Püree. "Aus'm Packl?" hat sie mich gestern Abend gefragt, als ich mit meiner Frau den heutigen Ernährungsplan für unser Kind abgestimmt habe. "Ich bitte dich!" (mit gespielter Verachtung) "Wann bitteschön hab ich jemals ein Packlpüree gemacht?!? Natürlich wird es frisch gemacht!". Also, auf in die Küche. Erdäpfel aufstellen. Topf. Wasser. Geht nicht. Bekomme den Topf nicht in die Spüle. Spüle ist noch voll. Gut. Dann eben zuerst Geschirrspüler einräumen. Geht nicht. Geschirrspüler ist noch voll, gehört ausgeräumt. Mittels eines tiefen Seufzer, dem somit ein Ansteigen der Sauerstoffsättigung meines Blutes vorangegangen ist (wir haben gestern wieder mal Biologie gelernt ...), versprühe ich Aerosole der Verzweiflung in der Küche. Eigenmarke "Eau de cry". Demaskiert erkenne ich die Ausweglosigkeit der Situation, aus der es nur eine einzigen, linearen Ausweg gibt! Also räume ich den Geschirrspüler aus, die Sachen aus der Spüle in den Geschirrspüler und habe somit freien Zugang zur Wasserversorgung! Und jetzt wird gekocht, damit Essen auf den Tisch kommt.

Foodfotografie

Das Stichwort für das heutige Blog-Fach-Thema! Food-Fotografie! Die bildliche Inszenierung von Essbarem! Ich liebe Food-Fotografie. Ich liebe Essen. Ich mag zwar keinen Fisch (wie kann man keinen Fisch mögen?), aber zum Fotografieren ist er ebenso herrlich! 

Food-Fotografie, da soll der Betrachter Lust auf Essen bekommen, wenn er das Foto ansieht! Am besten soll ihm das Wasser im Mund zusammen rinnen, bzw. in Zeiten wie diesen die Maske feucht werden! 

Worauf es mir bei Food-Fotografie ankommt

Nachdem ich selbst die HLFF, die heutige KTS besucht habe, konnte ich mir im Zuge der diversen Praktika in der Gastronomie und Hotellerie Eindrücke verschaffen. Ich weiß, was es heißt, unbequeme Arbeitszeiten zu haben, Gäste zu bedienen, die gerne nörgeln, ich weiß, was es heißt in der Küche zu stehen und im Service zu arbeiten. Ich weiß aber auch, was es heißt, wenn du dem Gast sein bestelltes Essen bringst und das hat (sofern auf der Speisekarte abgebildet, was damals usus war) bis auf die Bezeichnung mit der Abbildung nicht viel gemein.

Heute sind die Fotos von Speisen und Getränken des Gastronomie-Betriebes natürlich häufiger auf der Webseite und Social-Media-Plattformen zu sehen, doch hat die Bedeutsamkeit des Wiedererkennungswertes dadurch nicht abgenommen. Der Gast soll am Foto sehen, was er bekommt, wenn er das jeweilige Gericht bestellt. Das beste Negativ-Beispiel ist für mich McDonald's. Ich mein, schau Dir doch mal die überdimensionalen Abbildungen auf den Plakatwänden und die Fotos an: Beim Auch-in-Zeiten-des-Lockdowns-musst-du-nicht-auf-überlange-Wartezeiten-beim-Drive-In verzichten, um dann kalte Pommes und Burger zu bekommen, die die Bezeichnung nicht verdienen. Das hat doch mit dem, was am Foto gezeigt worden ist, nichts mehr zu tun. Das wäre ja so, wie wenn du dir im Katalog "Heiratswillige Osteuropäerinnen im besten Alter" die 25jährige, rothaarige Anuschka mit den Pseudo-Ideal-Maßen 90-60-90 bestellst und dann kommt Olga, die 57jährige, ergraute, 118 Kilo schwere Siebenfachweltmeisterin im Bankdrücken bei der Tür rein, die sie kurz zuvor eingetreten hat, weil Du beim ersten Klingeln noch nicht aufgemacht hast und begrüßt dich mit Ivan Dragos Zitat aus Rocky IV "Jieeech chmuhsss Tich väääärrrnjieeechtänn!" Nur bei McDonald's tut's dem Erfolg keinen Abbruch. Beim einheimischen Tourismusbetrieb steht aber kein internationaler Konzern im Hintergrund. Ist der Ruf erstmal ruiniert, lebt sich's völlig ungeniert, trifft hier eher nicht zu. Muss/soll logischerweise jeder für sich entscheiden. Ich als Gast möchte jedenfalls gerne das bekommen, was ich aufgrund einer Abbildung bestellt habe. Ich steh jedenfalls auf Food-Fotografie - und wenn jemand Fotos von Essen, Essbarem oder Getränken benötigen sollte und ihm meine Bildsprache gefällt - Anruf/Mail genügt. 

Auszug aus dem Portfoglio

Und zum Schluss des heutigen Beitrages wie gewohnt ein Auszug aus meinem Food-Fotografie-Repertoire. 

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