Lockdown "hart" 2 - day 07 - über Warmwassermanagement, Einsamkeit und Familienfotografie

Tag Sieben bricht an. Der siebente Tag. Am siebten Tag hat Gott gerastet, nachdem er die Schöpfung abgeschlossen hat. Ich raste auch, aber höchstens aus. 

Muss mich sputen, hab um 8 Uhr einen Termin.

Ich lehne in der Duschecke und lasse mir das warme Wasser auf den Kopf regnen. Blick irgendwo ins Nichts gerichtet. Gehe in Gedanken meinen geplanten Tagesablauf durch. Fast wie in Trance. Eine innere Kälte macht sich schleichend bemerkbar, die daher rührt, dass das Wasser, das an mir herabläuft zunehmend kälter wird. Immer noch ist der Blick ins Leere gerichtet. Ein kleines Alarmglöckchen läutet sanft und leise im Hinterkopf. Langsam drehe ich den Kopf in Richtung Boiler. Die Nadel nähert sich dem blauen Bereich.

Es wird kälter. Winter is coming. Ja, ich weiß, aber bitte nicht in der Dusche! Jetzt ist vorbei, die letzte Bastion des Warmwasseranteils ist gefallen! Blitschnell schießt meine Rechte zur Armatur und dreht das Wasser ab.

"Schaaaaatz?!? Kann es sein, dass Du heute Haare gewaschen hast?" 

"Ja. Hast eh keine Zeit, um lange zu Duschen, hast ja um Acht einen Termin!"

Hmmmmmm .... ja, aber das wusste sie zu dem Zeitpunkt, als sie ihre Haare gewaschen hat noch nicht.

Es ist eine gefährliche Welt, in der wir leben. Mir fällt Squirrel von Ice Age ein, die Szene als er eingefroren war.

Nach dem Termin zurück ins Studio. Heute kein Homeschooling. Zumindest nicht am Vormittag. Die Maus ist in der Schulbetreuung und es taugt ihr voll. Endlich wieder mit Kindern zusammen.

Meine Frau als Systemerhalterin in der Arbeit, die Maus in der Schule, Hannes allein zu Haus. Einsam? Nö. Langweilig wird's nie. In einer Familie schon gar nicht. Stichwort "Familie" - Familienfotografie!

 

Familienfotografie

Familienfotografie ist etwas Herrliches. Gruppendynamik, Vertrautheit, Liebe, persönliche Befindlichkeiten, spontane Situationen, die verschiedenen Charaktere - herrlich!

Am Genialsten sind meist Shootings mit Kleinkindern. Man(n) erkennt da ganz rasch, wessen Wunsch, wessen Idee das Shooting gewesen ist. In 99 % der Fälle geht der Wunsch nach Familienfotos von der Frau im Haus aus.

Die Männer fügen sich. Oft gibt's dann kurz davor noch Stress, die Kinder folgen vielleicht nicht, der Mann bekundet seinen Unwillen aufs Neue und dann spielen die Kinder beim Shooting vielleicht nicht so mit, wie sich das ein Elternteil gewünscht oder vorgestellt hat - ich liebe es. Deeskalation lautet das Schlagwort bei der Polizei. Beim Fotografen auch. Den Erwachsenen vor Augen führen, dass das Kind heute vielleicht gar keine Lust hatte, zum Fotografen zu gehen. Es hat das Shooting auch nicht gebucht. Außerdem wer braucht schon diese "Grinsekatz-Fotos"? "Cheeeeeeeeeeeese!" und "Ameisenscheiiiiiiiiiiiiiiiiiiißßßßßßßßßßßßeeeeee!" Nein danke. Da fällt mir "Der Name der Rose" ein. Das Lachen ist ein teuflischer Wind, der die Gesichtszüge aufs Unnatürlichste verzerrt und die Menschen wie wilde Affen aussehen lässt! (Filmzitat)

Die haben offenbar damals auch schon mit "Cheese" und "Ameisenscheiße" gearbeitet. Denn genau das kommt dabei heraus. Eine Grimasse. Die Augen lachen nicht mit. Das Kind zerrt seine Mundwinkel nach oben und heraus kommt ein gestellter, unnatürlicher Gesichtsausdruck, der ein Lachen darstellen soll. Es sind Kinder. Wenn sie lachen wollen, werden sie lachen, wenn nicht, dann nicht. Die Momente in denen ein ehrliches Lachen passiert, entstehen während des Shootings und dann musst als Fotograf halt schnell sein.  

Meine Belohnung ist dann ein authentisches Bild, das unsichtbare Familienbande sichtbar macht. 

Mein Zugang, mein Anliegen - lasst die Kinder, Kinder sein. Wenn sie lachen wollen, werden sie lachen, wenn nicht, dann nicht. Die Momente in denen ein ehrliches Lachen passiert, entstehen während des Shootings und dann musst als Fotograf halt schnell sein. Ich mag keine gestellten Lachfotos. Ich mag Bilder, die zeigen, was ist, 

 

Meine Belohnung ist dann ein authentisches Bild, das unsichtbare Familienbande sichtbar macht. 

Generationen

Generationenfotos ... Eltern mit Kindern ... Erwachsene ... ein Fest für Fotografen!

Und zugleich eine schöne, bildliche Erinnerung. Etwas, an dem man sich erfreuen kann, wenn man es anschaut. Etwas, das positive Gefühle weckt. Ein Bild ist etwas Großartiges. Ein kurzer Blick genügt und wir erfassen den Inhalt und empfinden etwas. 

Dieses Muttter-Tochter-Portrait ist auch nach Jahren eines meiner absoluten Lieblingsbilder. Die Ähnlichkeit, der Blick, den die Mutter ihrer Tochter zuwirft ... einfach schön.

 

Und hier noch eine kleine Auswahl aus zum Thema passenden Fotos:

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