Lockdown "hart" 2 - day 04 - Architekturfotografie

Noitide Detimil! ADELEW! Rewohs doog leef! Rewgni regizrüw!!! Eine satanische Reinigungsbeschwörung, oder "Limited Edition, Weleda, Feel Good Shower, Würziger Ingwer" während des Duschens rückwärts gelesen.

Zuvor versucht mich spärlich bekleidet aus dem Schlafzimmer zu stehlen, ohne dass mich die Mitschüler/innen meiner Jüngsten im Hintergrund des Webcam-Bildes erblicken.

 

Kurz davor beim Kaffeemachen noch vorm ersten Schluck Italienisch-Übungen-Bewältigen geholfen. Vorm ersten Schluck Kaffee. Vorm ersten Schluck Kaffee ... na ja, auch überlebt. Meine Frau hat heute frei (Im angestelltentechnischen Sinn! Eine Frau, Mutter, Hausfrau hat NIE frei! Gerade nochmal die Kurve gekratzt. "Komm ins Licht!" hat die Stimme gerufen.) Deswegen konnte ich meinen Kaffee dann e-paper-Zeitung-lesend im Bett genießen.

Lockdown, Homeschooling, ein pubertierendes Kind, nicht existentes Fotografen-Weihnachtsgeschäft ... Herz was begehrst Du mehr? Hab gestern beim Abendessen im Zuge einer Diskussion mit unserer Maus im Hintergrund (geht mit Bluetooth, Handy und Spotify perfekt) "Spiel mir das Lied vom Tod" ablaufen lassen. Mit Humor lässt sich vieles leichter ertragen. Zugleich Musikunterricht. Ennio Morricone, ein begnadeter Filmmusikkomponist. Heute Morgen auf FM4 - "STOP THE SPREAD!" Ich dachte bis jetzt immer, dass STS ein Akronym aus Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz wäre. Stop the spread, start doing whatever you wanna do but stay at home and stop the spread. Eat bread, stop the spread. Brad? Where is Braaaad? He's in the pit! Aber nun zum Kern der Sache (Der hat den Absprung übrigens auch rechtzeitig geschafft) kurz unmündig auf den Punkt gebracht: die Architekturfotografie.

ARCHITEKTURFOTOGRAF AUS LEIDENSCHAFT

Forellenhof, Weißensee, Architekten Ronacher
Forellenhof, Weißensee, Architekten Ronacher

Ob man's glauben will oder nicht ich liebe Architekturfotografie. Ich bin überhaupt erst durch die Architekturfotografie zur Berufsfotografie gekommen. Ein befreundetes Architektenehepaar hat gefragt, ob ich eines der von ihnen geplanten Häuser für sie fotografieren würde und das war der Anfang meiner Berufsfotografenlaufbahn.

Was mich bei der Architekturfotografie fasziniert ist, dass man sich in das Objekt hinein denken muss. Eine fotografische Aufnahme, die hinsichtlich Abbildungsmaßstab und Empfinden der menschlichen Sichtweise entspricht, ist sehr selten möglich, da man zumeist auf Weitwinkel und extreme Weitwinkelobjektive zurückgreifen muss, die eine entsprechend perspektivisch verzerrte Darstellung des Motivs liefern.

Wellnessbereich, Familienhotel Kreuzwirt, Architekten Ronacher
Wellnessbereich, Familienhotel Kreuzwirt, Architekten Ronacher

Außerdem hat jedes Gebäude eine eigene "Ausstrahlung". Ein Gebäude, ein Raum "wirkt". Und diese Wirkung gilt es fototechnisch umzusetzen.

Dabei spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle.

Standort, Jahreszeit, Tageszeit, Wetter aber natürlich auch die Inszenierung. Gerade bei Aufnahmen in Tourismusbetrieben (das sind dann werbetechnisch genützte Aufnahmen, bei denen es sich, wenn ein Raum oder das Gebäude fotografiert wird, aber trotzdem um Außen- bzw. Innenarchitektur-Aufnahmen handelt), wo ich tunlichst darauf bedacht bin, den Tagesablauf, das Tagesgeschäft nicht zu stören, muss man zusehen, dass man die Aufnahmen im vorgegebenen Zeitrahmen schaffen kann. Wenn dann störende Bildmotive vor Ort entfernt werden müssen, die Location vor dem Shot noch hergerichtet werden muss, dann kostet das Zeit. Zeit, in der sich die Lichtverhältnisse ändern können (wenn's draußen dunkel wird, kannst dir eine Hotelzimmeraufnahme mit Fenster einrexen). Manchmal bekomme ich dann "Kann man dann eh mit Photoshop machen" zu hören. Das ist teilweise richtig. Photoshop ist ein mächtiges Bildbearbeitungs-Tool. Aber erstens hat auch Photoshop seine Grenzen, denn wenn bei einem  Foto keine Bildteile vorhanden sind, aus denen ich mir die Pixel holen kann, die ich brauche, um gewisse störende Elemente zu retuschieren, dann muss ich auf alternative Lösungsansätze zurück greifen.

Familienhotel Kreuzwirt, Architekten Ronacher
Familienhotel Kreuzwirt, Architekten Ronacher

Und zweitens ist das Budget des Auftraggebers praktisch immer begrenzt. "Koste es was es wolle!" habe ich bei einem Auftrag eigentlich noch nie zu hören bekommen. Von daher ist es für mich selbstverständlich, dass ich vor der Aufnahme überprüfe, was ich motivtechnisch verändern kann/muss, um die ideale Aufnahmesituation zu schaffen. Bei dieser Außenaufnahme vom Neuzubau des Familienhotel Kreuzwirt am Kreuzberg beim Weißensee ist der Junior-Chef alles abgelaufen und hat unter anderem einen Gartenschlauch beiseite geräumt, während ich Kamera und Stativ aufgebaut und die Belichtungsmessung vorgenommen habe.

Bei der Architekturfotografie gilt für mich so wie auch sonst die Einstellung - halbe Sachen mag ich nicht. Entweder anständig, oder gar nicht.

 

Ich decke hinsichtlich meiner Dienstleistungen den gesamten Bereich der Innen- und Außen-Architekturfotografie inklusive der Panoramafotografie (Erstellung bis 360°-Panoramen) ab.

Anekdote zum Schluss

Da fällt mir eine Geschichte von meinem Meisterprüfungs-Vorbereitungskurs ein. Bei der Fotografenmeisterprüfung waren beim praktischen Teil der Großteil der Aufgaben (bis auf Portrait und Reportage) mit einer analogen Großformatkamera zu erstellen. Diese Riesenkameras, die man zuerst mal zusammenbauen muss, ehe man ein Foto machen kann, bei denen mit Planfilm fotografiert wird (Eine Kassette, zwei Planfilme drin). Ein Mordsaufwand, Aufbauen, Einstellen, Belichtung messen, nochmal Belichtung messen, Schärfe nochmal überprüfen (deswegen hat man auch das Tuch überm Kopf, weil man ansonsten das Bild (das auf der Mattscheibe seitenverkehrt und auf den Kopf gestellt, wahrgenommen wird) nicht beurteilen kann, weil die Mattscheibe zu dunkel ist), nochmal alle Einstellungen überprüfen, nochmal Belichtung messen ... denn bei Analog - insbesondere bei Großformat - will die Aufnahme wohlüberlegt sein. Erstens ist bei Analogfotografie keine sofortige Bildkontrolle möglich. Wenn man also dann erst nach dem Entwickeln drauf kommt, dass die Aufnahme verhaut ist, könnte man dies als kontraproduktiv empfinden. Zweitens kosten Planfilme und Chemie zum Entwickeln ein Schweinegeld und drittens - entweder anständig oder gar nicht. Jedenfalls bekamen mein Freund und Kollege und ich vom Kursleiter den Auftrag eine Eingangshalle im WIFI-Gebäude in Klagenfurt zu fotografieren. Sah Scheiße aus. Hätte belichtungstechnisch jeder Nurmi auf die Reihe bekommen. Laaaaaaaaangweilig!!! Mein Freund und ich beschlossen daher, etwas Herausfordernderes zu fotografieren und haben uns das Stiegenhaus ausgesucht. Glasfronten ohne Ende. Grelles Sonnenlicht. Spiegelnde Flächen. Yeah Baby, I'm loving it! Gesagt, getan. Das Ergebnis ist oben zu sehen. Wir haben dann zwar einen Mordsanschiss vom Kursleiter bekommen (war irgendwie witzig ... mit 41 auf einmal wieder 14 sein) inklusive dem Zitat "Das ist ein Vorbereitungskurs für die Meisterprüfung! Es geht darum "Wie schaffe ich die Meisterprüfung?" Nicht um "Ach was bin ich doch kreativ!"" inklusive Nachsitzen, bzw. Nachfotografieren (Wir mussten das eigentliche Motiv - laaaaaaaaaaaaaaaangweiliiiiiiig!!! - dann in unserer Freizeit fotografieren), aber das war's allemal wert.

Auszug aus Architekturfotografie (Innen/Außen)

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